Echten Blütenhonig aus Wahlscheid genießen

a close up of a bunch of honeycombs

Was ist Honig?

Was ist Honig und warum zählt nur echte Qualität?

Honig ist ein naturbelassenes Produkt, das Honigbienen aus Blütennektar oder Honigtau erzeugen. Sie bereiten den Saft durch Wasserentzug und enzymatische Umwandlung auf - etwa mit Glucose‑Oxidase, Invertase und Diastasen - und reifen ihn in geschützten Waben aus. Das Ergebnis: eine hochkonzentrierte Zuckerlösung (~80 % Fructose/Glucose, < 20 % Wasser), ergänzt durch Aminosäuren, Vitamine, Pollen, organische Säuren und sekundäre Pflanzenstoffe.

Gesetzliche Mindeststandards – Qualität, die sich messen lässt

In Deutschland regelt die Honigverordnung (2001/110/EG, umgesetzt durch die HonigV):

  • Keine Zusätze oder Entzug natürlicher Bestandteile erlaubt

  • Wassergehalt max. 20 % (bei geprüftem DIB-Honig ≤ 18 %)

  • Verarbeitung ohne Hitze über 40 °C („kalt geschleudert“)

  • Sortenkennzeichnung erst ab ≥ 60 % dominanter Tracht

⚠️ Vorsicht bei Honigqualität – Warum Herkunft wichtig ist

Unlängst berichtete die EU: 46 % der in die EU importierten Honige stammen aus Kontrollen als „verdächtig verfälscht“ – beispielsweise durch Zuckerzusätze oder Sirupe aus Reis, Weizen oder Zuckerrohr. Importierter Honig aus China (74 % verdächtig), Türkei (93 %) und selbst Großbritannien (100 %) wiesen besonders hohe Verfälschungsraten auf.

Fachleute warnen: Viele Anbieter verwenden raffinierte Methoden zur Verschleierung – etwa durch Qualitätsfragen, Mischungen oder Entfernung von Pollen.

Darum: Honig nur beim Imker des Vertrauens kaufen

Verbraucher schützen sich am besten, indem sie Honig direkt von lokalen Imkereien (z. B. über Imkervereine) kaufen. Dort ist Kriterienklarheit, Produktherkunft und Verarbeitungstransparenz garantiert – nicht zuletzt durch persönliche Bekanntschaft mit dem Imker.

MGO oder GOx? Warum es nicht immer Manuka-Honig sein muss

Zwei Honige, zwei Wirkmechanismen – eine Debatte

Seit Jahren steht der neuseeländische Manuka-Honig im Zentrum medizinischer und ernährungswissenschaftlicher Aufmerksamkeit. Sein hoher Gehalt an Methylglyoxal (MGO) macht ihn zum Star unter den funktionellen Honigen – gerade in der Wundheilung. Doch mit Blick auf Preis, Nachhaltigkeit und verfügbare Alternativen stellt sich zunehmend die Frage: Was ist mit heimischen Honigen und ihrer antimikrobiellen Wirkung durch das Enzym Glucose-Oxidase (GOx)?

Honig ist nicht gleich Honig – die chemische Differenz

Die antibakterielle Wirkung von Honig beruht auf verschiedenen Mechanismen: Bei Manuka ist es das chemisch stabile Methylglyoxal (MGO), das über direkte bakterizide Effekte verfügt. In klassischen europäischen Honigen dagegen entsteht die keimhemmende Wirkung über das Enzym Glucose-Oxidase (GOx). Dieses bildet nach Kontakt mit Feuchtigkeit Wasserstoffperoxid (H₂O₂) – eine Substanz mit bekannter desinfizierender Wirkung.

Beide Mechanismen wirken – aber sie unterscheiden sich grundlegend in ihrer Stabilität, Messbarkeit und klinischen Anwendbarkeit.

GOx: Das vergessene Enzym aus dem Bienenstock

GOx wird von den Bienen selbst eingebracht. In hochwertigem, rohem Honig bleibt das Enzym aktiv und kann unter geeigneten Bedingungen H₂O₂ freisetzen, das wirkt antimikrobiell und konservierend. Dieses System ist jedoch empfindlich gegenüber Hitze, Licht und Lagerung – was seine medizinische Anwendbarkeit einschränkt.

Nichtsdestotrotz hat die Forschung gezeigt: Dunkle europäische Honige, wie etwa Buchweizen‑ oder Honigtauhonig, enthalten hohe Enzymaktivitäten und zeigen in vitro teils stärkere antioxidative Effekte als Manuka. Die antimikrobielle Wirkung bleibt jedoch weniger stabil und schwieriger zu standardisieren.

MGO: Stabil, wirksam – und teuer

Manuka-Honig dagegen überzeugt mit einem konstanten Gehalt an MGO – je nach UMF®-Zertifizierung von 100 bis über 800 mg/kg. MGO wirkt unabhängig von Lagerbedingungen und Enzymaktivität, was Manuka zu einem verlässlichen Kandidaten in der Wundbehandlung macht.

Tatsächlich existieren zahlreiche klinische Studien zur äußerlichen Anwendung von Manuka-Honig – von infizierten Ulcera bis hin zu postoperativen Wunden. Medizinprodukte auf Manuka-Basis wie Medihoney® sind international zugelassen und etabliert.

Und GOx in der Praxis? Europäischer Honig in der Wundversorgung

Auch europäische Rohhonige werden klinisch eingesetzt, etwa in der phasengerechten Wundbehandlung, besonders in Frühstädien der Granulation. Voraussetzung ist: hoher Wasserstoffperoxid-Gehalt, geprüfte mikrobiologische Qualität, sterile Aufbereitung.

Zertifizierte Produkte wie Melladerm® oder regionale Konzepte mit frischem Imkerhonig werden in Kliniken oder Pflegeeinrichtungen erfolgreich verwendet - mit positiven Effekten auf Wundheilung und Exsudatkontrolle. Die Wirkung hängt jedoch stark von der Enzymaktivität des jeweiligen Honigs ab - ein Punkt, der nicht standardisiert messbar ist wie beim MGO.

Achtung: Nicht jeder Honig hält, was er verspricht

Egal ob Manuka oder regionaler Blütenhonig – entscheidend ist die Echtheit des Produkts. Laut Berichten der Europäischen Kommission aus 2023 enthielten knapp 50 % der importierten Honige in der EU Hinweise auf Fälschung – meist durch Zuckerzusätze, Sirupe oder nicht deklarierte Mischungen.

Besonders brisant: Die weltweiten Exportmengen von „Manuka-Honig“ übersteigen die real mögliche Jahresernte aus Neuseeland um ein Vielfaches. Viele Produkte mit Manuka-Etikett enthalten entweder nicht den beworbenen MGO-Gehalt, oder stammen nicht aus zertifizierter Produktion.

Für Verbraucher bedeutet das:

  • Auf Zertifikate (z. B. UMF®, MGO-Zahl, Herkunftsnachweis) achten.

  • Bei regionalen Honigen: auf Echtheitskennzeichnung wie D.I.B.-Siegel (Deutscher Imkerbund) oder Laboranalysen setzen.

  • Bei medizinischer Nutzung: nur zertifizierte, sterile Produkte verwenden – keine Haushaltshonige.

Muss es also immer Manuka sein?

Die klare Antwort: Nein – aber manchmal ja.

  • Für die medizinisch sichere Anwendung bei schwer heilenden, infizierten oder tiefen Wunden ist Manuka-Honig mit hohem MGO-Gehalt derzeit die beststandardisierte Option. Hier sind Wirksamkeit, Stabilität und mikrobiologische Sicherheit belegt.

  • Für oberflächliche Wunden oder präventive Pflege können hochwertige europäische Rohhonige mit aktiver GOx eine kostengünstige, funktionale Alternative darstellen – vorausgesetzt, sie werden fachgerecht geprüft und angewendet.

Fazit: Differenzieren statt polarisieren

Honig ist eines der komplexesten Naturprodukte – und seine Wirkung hängt nicht nur von Sorte und Region, sondern auch von Reifegrad, Lagerung und Verarbeitungsweise ab. MGO und GOx stehen nicht in Konkurrenz, sondern bieten komplementäre Wege, mikrobielles Wachstum zu hemmen.

Manuka-Honig ist kein Wundermittel, aber in bestimmten Fällen medizinisch unschlagbar. Europäische Honige sind nicht standardisiert, aber funktionell hochwirksam - und verdienen mehr Beachtung, Forschung und Systematik.

Tipp aus der Praxis: Wer Honig zur Wundversorgung einsetzen möchte, sollte dies nicht auf eigene Faust, sondern in Rücksprache mit Fachpersonal tun - idealerweise mit geprüften Produkten und dokumentierter Herkunft.